Offener Brief an Bundeskanzlerin Dr. Merkel

Offener Brief: Ahmad Shakib Pouya ist willkommen!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

wie der Presse zu entnehmen ist, halten Sie die Integration derjenigen, die vor Krieg, Bürgerkrieg, Terror und Folter nach Deutschland geflohen sind, für eine große Herausforderung. Wir stimmen Ihnen zu: ein gutes Einleben der Menschen verschiedener Ethnien und Religionen hängt auch von deren Integrationswillen ab.

Wir möchten Sie gerne auf einen Zahnarzt, Künstler und Dolmetscher afghanischer Herkunft aufmerksam machen: Herrn Ahmad Shakib Pouya, der seit sechs Jahren in Deutschland lebte, für die IG Metall ehrenamtlich arbeitete (da die Ausländerbehörden ihm eine Festanstellung verweigerten) und geradezu ein Musterbeispiel an Integration ist.

Aufgrund seiner Arbeit in einem französischen (und damit aus Sicht der Taliban feindlichen) Krankenhaus in Herat sowie seiner künstlerischen Tätigkeit erhielt er massive Morddrohungen der Taliban und war deshalb vor acht Jahren nach Deutschland geflohen.

Deutschlandweit bekannt wurde Herr Pouya unter anderem durch seinen Auftritt in der Talkshow von Markus Lanz sowie durch seine Hauptrolle in der Mozart-Oper „Zaide“ des Vereins Zuflucht Kultur e.V. Er durfte 2015 mit dem Chor von Zuflucht Kultur e.V. sogar beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Joachim Gauck singen, wo er auf der Bühne seinen größten Wunsch aussprach: „Lieber Herr Gauck, ich habe Ihre Sprache gelernt, Ihre Kultur kennengelernt. Bitte nehmen Sie mich auf, ich möchte Steuern zahlen und Teil dieser Gesellschaft sein.“

Trotz seiner geradezu vorbildlichen Integration musste er jedoch am 20. Januar 2017 unter Todesangst nach Afghanistan ausreisen, um seiner unmittelbar bevorstehenden zwangsweisen Abschiebung durch den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann zuvorzukommen. Die Härtefallkommission, bei welcher der Antrag von Ahmad Shakib Pouya zur Bearbeitung lag, ist für ihn damit nicht mehr zuständig, weil er ja „freiwillig“ (obwohl gezwungenermaßen) nach Afghanistan zurückgereist ist. Gerade darin offenbaren sich die Widersprüche der Flüchtlingspolitik: Er musste „freiwillig“ ausreisen, um sich die Möglichkeit einer Wiedereinreise offenzuhalten. Aber gerade durch diese Ausreise ist die Härtefallkommission nicht mehr zuständig, die eventuell ein Bleiberecht für ihn erwirkt hätte.

Die Tatsache, dass die “dringende Reisewarnung” des Auswärtigen Amtes für Afghanistan aufgrund von „Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte” nach wie vor aktuell ist, spricht Bände!

Begleitet wurde er in den ersten Tagen durch seinen couragierten deutschen Musikerkollegen Albert Ginthör vom Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Gemeinsam ist es ihnen gelungen, in Kabul Kontakt mit dem Goethe-Institut und durch dessen Vermittlung auch mit der Visa-Abteilung der deutschen Botschaft aufzunehmen.

Derzeit hält sich Ahmad Shakib Pouya an wechselnden geheimen Orten in Afghanistan versteckt in der Hoffnung, nicht von der Taliban getötet zu werden. Er kann sich vor Ort nicht frei bewegen, was die weitere Bearbeitung seines Visum-Antrages extrem schwierig gestaltet.

Bundesweit setzen sich sehr viele engagierte Menschen für Herrn Pouya ein, u.a. die UnterzeichnerInnen dieses Offenen Briefes: Der Verein Zuflucht Kultur e.V., das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz sowie die IG Metall, von denen Herrn Pouya bei seiner Rückkehr jeweils ein festes Arbeitsangebot vorliegt, denn er ist für sie ein sehr wertvoller Mensch und unverzichtbarer Mitarbeiter gewesen.

Weiterhin die hier unterzeichnenden Kabarettisten Claus von Wagner, Max Uthoff und Dr. Dietrich Krauss. Die beiden Letztgenannten sind beim Bayerischen Staatsministerium vorstellig geworden, wurden jedoch bedauerlicherweise nicht von Herrn Innenminister Joachim Herrmann empfangen. Der bayerische Innenminister hat deshalb bereits einen Offenen Brief erhalten, der nichts zu wünschen übrig lässt. Es gab eine Petition, die innerhalb kürzester Zeit rund 24.000 Unterschriften verzeichnete:

https://secure.avaaz.org/de/petition/Minister_Joachim_Hermann_Bleiberecht_fuer_Pouya/

Viele engagierte Menschen aus der Facebook-Fangruppe zur ZDF-Sendung "Die Anstalt", die das Schicksal von Ahmad Shakib Pouya zutiefst bestürzt, haben auf dieser Plattform eine neue Gruppe gegründet mit dem Namen "Ahmad Pouya ist willkommen“.

https://www.facebook.com/groups/1189613541086129/?fref=ts

Sie wollen Herrn Pouya bestmöglich unterstützen, um nach Deutschland zurückkehren und für das Wohl unseres Landes wirken zu können.

Alle diese Unterstützer und Unterstützerinnen sind die zivilgesellschaftliche Stimme dieses mustergültig integrierten Künstlers.

Im Namen dieser Stimmen, die mit ihrem Engagement zugleich ein Gegengewicht sind zu Hass und Hetze in unserer Gesellschaft, bitten wir Sie, sehr geehrte Frau Dr. Merkel, von ganzem Herzen: Bitte tun Sie alles, was nur irgend in Ihren Kräften steht, um Ahmad Shakib Pouya ein Leben in Deutschland zu ermöglichen. Bitte sorgen Sie dafür, dass Herr Pouya sein Visum erhält, und damit ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes.

Sie gäben damit der Mitmenschlichkeit und der Humanität eine Stimme, die wir im Internet und in der Gesellschaft würdigen würden.

Und Sie könnten damit zeigen, dass Ihnen der Eugen-Bolz-Preis der Stadt Rottenburg für Ihre Flüchtlingspolitik zu Recht verliehen wurde, weil Ihrer Rede zur Integration der Menschen anderer Ethnien, Religionen und Nationalitäten Taten folgen.

Für all Ihre Mühe danken wir Ihnen im Namen aller Unterstützer und Unterstützerinnen sehr herzlich im Voraus und verbleiben mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen.

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:

Horst Berndt
Weißenseer Weg 89
10369 Berlin-Lichtenberg
E-Mail: horstberndt55@web.de

ErstunterzeichnerInnen:

Dagmar Berkenberg, Helferkreis Asyl Fürstenfeldbruck
Horst Berndt, stellvertretend für die Unterstützer-Gruppe „Ahmad Pouya ist willkommen“ bei Facebook
Lara Birkenmeier
Deutsche Orchestervereinigung e.V., Berlin
Albert Ginthör, Deutsches Forum für Musik- und Theaterkultur & Mitglied des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Lynn-Katrin Haug
Dr. Dietrich Heißenbüttel, Journalist, Esslingen
Rebekka Hofbauer
Bianka Huber, Leiterin der IG Metall-Beratungsstelle für Geflüchtete, Frankfurt a.M.
Annelies Huber, Haus International Landshut e.V.
Anna Jürgens
Johannes und Veronika Jürgens
Lea Jürgens
Luisa Jürgens
Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall
Franziska Klein
Dr. Dietrich Krauss, Journalist, Kabarettist
Cornelia Lanz, 2. Vorsitzende sowie künstlerische Leitung Zuflucht Kultur e.V.
Ulrich Otto, Stuttgart
Matthias Siddhartha Otto, Humboldt-Gymnasium Berlin
Sumati Panicker, Universität Stuttgart
Dana Pflüger, Ludwig-Maximilians-Universität München
Anja Schödel-Otto, Berlin
Nicola Steller, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Zuflucht Kultur e.V.
Walter Schirnik, 1. Vorsitzender Zuflucht Kultur e.V. sowie 1. Vorsitzender und
Intendant der Stuttgarter Symphoniker e.V.
Max Uthoff, Kabarettist
Claus von Wagner, Kabarettist

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