Die Deutschen sind zufrieden wie nie - (Aruscha Lorà)

Die Deutschen sind zufrieden wie nie seit der Vereinigung 1989.
Dass ist schön.
Zwei Drittel der Bundesbürger stimmen dem Satz zu:
"Mir geht es gut, aber Deutschland ist ungerecht."

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung.
Die gute Stimmung lässt sich mit der extrem guten Wirtschaftslage erklären,
während in vielen anderen Regionen Krieg und Chaos herrschen.

In Syrien geht das kriegerische Gemetzel in sein siebtes Jahr.
Niemand weiß es zu stoppen; bisher standen alle Friedensverhandlungen
unter einem denkbar schlechten Stern. Aussicht auf Verbesserung gibt es nicht.

Angesichts der nicht zu stoppenden Katastrophe gewährte Deutschland syrischen
Flüchtlingen lange Zeit nahezu automatisch einen dreijährigen Schutzstatus mit
der Möglichkeit des so genannten Familiennachwuchses. ##Familiennachzugs##

Gemeint waren Ehepartner und Kinder, die auf diese Weise dem Krieg entkommen konnten.

So viel Menschlichkeit erntete bei Fremdenhassern neben zunehmenden Gewaltakten
gegen Flüchtlinge den erwarteten Protest; sie behaupteten, riesige Familienclans
würden das schöne christliche Abendland überschwemmen und uns alle in jeder Hinsicht
überfordern.

Im vergangenen Jahr übernahm die Bundesregierung die alternativen Fakten der Fremdenhasser
und verschärfte wieder einmal das Asylrecht. Ungeachtet der katastrophalen Lage in Syrien,
den unzähligen Opfern in der Zivilbevölkerung und der Aussichtslosigkeit eines baldigen
Waffenstillstands erhalten seitdem die syrischen Flüchtlinge nur noch den einjährigen
subsidiären Schutz, der Nachzug von Ehepartner und Kindern ist ausgeschlossen.

UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein bezeichnete jüngst den syrischen Bürgerkrieg
als "die schlimmste von Menschen verursachte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg".
Der Konflikt habe eine "gewaltige Flutwelle des Blutvergießens und der Grausamkeit" verursacht.
Das ganze Land sei zu einer einzigen Folterkammer geworden, zu einem Ort "brutalen Entsetzens
und extremer Ungerechtigkeit".

Die Deutschen sind zufrieden. Ihre Regierung hat entschieden, keines der syrischen Kinder
aus der Folterkammer zu retten, indem sie ihm den Nachzug zu einem bereits in Deutschland
lebenden Elternteil gestattet. Echte Menschen aus Fleisch und Blut, die in den Stand eines
Regierungspolitikers erhoben wurden (nicht etwa Klingonen), haben entschieden, die Kinder
in der syrischen Folterkammer verrecken zu lassen.
So viel moralische Verkommenheit muss man können! Keine Ahnung, ob Politiker das jeden
Tag neu üben müssen oder ob sie in dieser Hinsicht echte Naturtalente sind. Den
traumatisierten, ungebildeten, schockstarren syrischen Kindern ohne jegliche Zukunft
dürfte egal sein, wer sie nicht rettet.

Schönen Tag nach Berlin und in alle Haushalte der zufriedenen Bundesbürger!

Kommentare

  1. sabine schlentner13. Mai 2017 um 14:02

    ein bitterer Brief- leider so wahr :-(

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