Gewahrsamnahme des jungen Afghanen in Nürnberg: Stellungnahme zu Vorwürfen des bayerischen Innenministeriums // Raketeneinschlag in Kabul während einer Friedenskonferenz //

Verleihung des Interkulturellen Preises 2015 des Integrationsrats der Stadt Nürnberg am 09.10.2015
Gewahrsamnahme des jungen Afghanen in Nürnberg: Stellungnahme zu Vorwürfen des bayerischen Innenministeriums 
Die Vorwürfe des bayerischen Innenministeriums
veranlassen uns zu folgender Gegendarstellung:

An den Vorwurf, er habe bei der Verhaftung damit gedroht, zurück zu kommen und Deutsche umzubringen, kann Asef sich nicht erinnern. Durch die Sitzblockade und die sich daraus entwickelnden chaotischen Ereignisse geriet er selbst in einen emotionalen Ausnahmezustand. Er wurde von den Polizisten wie ein Verbrecher in Handschellen gelegt und beim zweiten Autowechsel (zwei Wagen waren zuvor von den Blockierern am Wegfahren gehindert worden) am Boden liegend über den Asphalt gezerrt worden.

Dies ist in Videoaufnahmen dokumentiert. Hierbei hat er sich Schürfwunden an der linken Hand, an der linken Wange und im linken Brustbereich zugezogen. Die ganzen Ereignisse ließen ihn verständlicherweise wütend und aggressiv werden und riefen Angst bei ihm hervor. Er fühlte sich verletzt und getäuscht. Sollte Asef in diesem Zustand höchster Erregtheit eine solche Drohung ausgestoßen haben, so tut es ihm leid und er entschuldigt sich dafür.

Jedenfalls würde er niemals den Bewohnern des Landes, das ihn aufgenommen und ihm Schutz gegeben hat, Schaden zufügen. Überlegen wir alle einmal, was wir in einer solchen Situation vielleicht ausstoßen würden!

Die Behauptung, Asef habe die Behörden jahrelang wissentlich über seine Identität getäuscht und sich unkooperativ verhalten, weisen wir zurück. Mehrere Male seit der Ablehnung seines Asylantrages sprach er beim Konsulat in München vor, um die Ausstellung eines Passes zu beantragen. Dies wurde ihm jedoch verweigert. Nicht immer wurde ihm die Vorsprache als Nachweis für das Ausländeramt bestätigt. Asef bestreitet, dass er Formulare zur Passbeantragung vor den Augen der Behördenmitarbeiter zerrissen hat.

Von ihm verlangte Erklärungen (Belehrung) darüber, dass er freiwilllig der Ausreiseaufforderung nachkommt, hat er vor Ort nicht unterschrieben, sondern wollte dies zunächst mit seinen Betreuerinnen besprechen und dafür das Schreiben mitnehmen.

Es ist nicht richtig, dass der jetzt vorgelegte Pass schon im Jahr 2007 ausgestellt wurde. Lediglich eine Tazkira (afghanische Geburtsurkunde), die er dem Ausländeramt vorlegte, datiert aus dem Jahr 2007. Ganz offenbar verwechselt das Innenministerium diese Urkunde mit dem Pass.

Die Ausbildungsstelle als Fliesenleger, für die er im September 2015 eine Genehmigung vom Ausländeramt erhalten hatte, wurde seitens des Arbeitgebers noch in der Probezeit gekündigt. Asef sollte als billige Arbeitskraft über die vorgeschriebene Arbeitszeit hinaus am Wochenende eingesetzt werden, was er verweigerte.

Wir vom Verein Mimikri verwahren uns dagegen, dass Asef vom bayerischen Innenministerium wie ein Schwerverbrecher dargestellt wird. Er hat sich in der Vergangenheit bezüglich der Mitwirkungspflicht verhalten wie viele andere Flüchtlinge auch, die trotzdem Ausbildungsgenehmigungen erhalten haben.

Offenbar hatte die Ausländerbehörde im Jahr 2015 ja auch kein Problem damit, sonst hätte er damals keine Erlaubnis für den Abschluss eines Ausbildungsvertrages erhalten. Dies war letzten Endes auch der Grund, weshalb alle Beteiligten dem Versprechen glaubten, dass er nach Vorlage eines Reisepasses eine neuerliche Genehmigung erhalten würde.

Wir sind erschüttert und empört, wie nicht nur Asef, sondern auch das Engagement aller Menschen, die sich für die Integration der jungen Flüchtlinge einsetzen und dafür einen Großteil ihrer Freizeit opfern, in Misskredit gezogen wird, nur um von den offensichtlichen Fehlern des bayerischen Innenministeriums abzulenken. Ganz besonders schlimm finden wir, dass Asef nun als möglicher Gefährder angesehen wird, dem jegliches Recht auf ein Leben in Deutschland abgesprochen wird.

Die in unseren Augen verantwortungslose Veröffentlichung von nicht überprüften Fakten führte bereits zu einem negativen Shitstorm bis hin zu Beleidigungen und Drohungen an die Adresse der Unterstützer von Asef. Es wäre fair, wenn das Innenministerium für Klarstellung sorgen würde. 

Nürnberg, 2. Juni 2016 Dagmar Gerhard 1.Vorsitzende.

Rückfragen: Dagmar Gerhard - info@mimikri.eu Tel. 0911/ 2398 5340

Hier die Stellungnahme noch einmal als PDF-Format in voller länge, direkt von der Internetseite mimikr e.V. >>>
Stellungnahme zu Vorwürfen des bayerischen Innenministeriums / mimikri e.V.

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Präsident Aschraf Ghani. Foto: epa/Jawad Jalali
Raketeneinschlag in Kabul während einer Friedenskonferenz
KABUL (dpa) - Kurz nach Beginn einer internationalen Friedens- und Sicherheitskonferenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist unweit des Konferenzortes eine Rakete eingeschlagen. Es sehe so aus, als ob sie einen Grünbereich der italienischen Botschaft getroffen und keinen Schaden angerichtet habe, sagte der Kabuler Polizeibeamte, Mohammed Saher Okab, am Dienstag. 

In Medienberichten hieß es, die Rakete sei in der daneben liegenden indischen Botschaft oder nahe dem benachbarten Nato-Hauptquartier eingeschlagen.

Hier der Link zum Artikel von Der Farang vom 06.06.2017 >>> 


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Petition des Flüchtlingsrats NRW
Weiter unterschreiben, teilen, bekannt machen und
damit ein Zeichen setzen!


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Eine Stimme aus unserer zivilgesellschaftlichen Mitte!


Von Oskar Schmiede
Mitglied aus unserer FB-Gruppe 


Gedankenspiele...

Wir befinden uns in Metz. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Als Adel lebt man eigentlich ganz gut. Aber auch nur eigentlich. Denn Religionsfreiheit besteht nicht. Die Hugenotten, wie die französischen Protestanten genannt wurden, wurden verfolgt. 


Viele sind geflohen. Darunter eben auch Adelige. Wie die Familie de Maizière. Ernst Karl Thomas de Maizière, der heute als der Deutsche Innenminister bekannt ist, wurde am 21. Januar 1954 in Bonn geboren. Aber nur, weil seine Vorfahren überlebt haben. Trotz der Verfolgung. Denn sie haben Zuflucht gefunden. In Brandenburg bot ihnen Kurfürst Friedrich Wilhelm Schutz. Sie haben Glück gehabt.

Die Situation der Verfolgung ist eine, die heute diverse Religionsgruppen ebenfalls kennen. Auch sie hoffen auf Zuflucht. Auf Schutz. Doch viele der Geflohenen machen die Erfahrung, dass die Gefährdung nicht richtig beurteilt wird. Dass die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit nicht ausreicht. 


Leib und Leben sind in der Heimat so bedroht, dass sie diese genauso wie die Familie de Maizière verlassen haben. Keine Heimat mehr haben. Prüfungen, die als Innenminister Thomas de Maizière letztendlich zu verantworten hat. Doch warum gestattet er ihnen diesen Neuanfang, den seine Vorfahren hatten, nicht auch? 

Hätte er seinen Vorfahren ebenfalls gesagt, dass sie nur Opfer aber keine Ziele waren? Trotz der vielen Toten im Umfeld? Warum darf er dank eines Privilegs im 17. Jahrhundert leben, verweigert dieses Privileg heute jedoch vielen?

Wie würden wohl seine Vorfahren über ihn denken, wenn sie sein Handeln heute sehen würden? Wären sie stolz auf ihn oder würden sie ungläubig den Kopf schütteln? Schließlich haben sie die Flucht überlebt und mussten nicht wieder zurück nach Frankreich, wo ihr Leben bedroht war...



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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz.

Kommentare

  1. Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns nicht die Nachricht eines weiteren Anschlags aus dem todsicheren Land erreicht. Eine christliche und soziale Politiker scheinen ihre Argumentationslinie zu ändern. Sie behaupten nicht mehr angeblich sichere Quadratmeter im Kriegsland, sondern wollen uns die Deportationen in Elend und Tod verkaufen als "Notwendigkeit, unser Asylrecht zu erhalten"!!!! Sorry, angesichts des nicht mehr zu überbietenden Zynismus' finde ich gerade keine angemessenen Worte!

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